Auswertung Eurer Umfrageergebnisse

Eure Umfrageergebnisse!

Kein Tarifvertrag ohne sich zuvor ein Meinungsbild unter den studentischen Hilfskräften einzuholen: Von Mitte bis Ende Oktober vergangenen Jahres führten wir an den Bremer Hochschulen eine Onlinebefragung durch, um nähere Einblicke in eure Beschäftigungssituation zu gewinnen. Wie schätzt ihr zur Zeit eure Arbeitsbedingungen ein, und wo seht ihr politischen Handlungsbedarf? Von den rund 2.000 studentischen Beschäftigten im Land Bremen nahmen über 1.000 SHKs an der Umfrage teil – und entsandten dabei deutliche Botschaften.

Über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen eine höhere Vergütung „sehr wichtig“ ist.

Hoch mit den Löhnen

Sehr deutlich fielen eure Rückmeldungen hinsichtlich der derzeitigen Vergütungspraxis aus. Die Entlohnung erfolgt per gesetzlichem Mindestlohn; zum Befragungszeitpunkt belief sich dieser auf 8,84 € pro Stunde (2019: 9,19 €). Über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen eine höhere Vergütung „sehr wichtig“ ist, weitere 10 Prozent der Studierenden sehen eine höhere Entlohnung als „wichtig“ an. Die SHKs wünschen sich dabei

„einfach generell faire Möglichkeiten sich neben dem Studium einen vernünftigen Lebensunterhalt zu verdienen“

und berichten:

„Der Stundenlohn, den ich momentan bekomme ist niedriger als wenn ich irgendwo sonst jobben würde.“

Rund drei Viertel der Beschäftigten sprachen sich in der Umfrage dafür aus, dass sie sich eine regelmäßige (z. B. jährliche) Anpassung – d. h. eine Dynamisierung – der Löhne wünschen. Lediglich bei einem Bruchteil der SHKs stößt dieser Ansatz dagegen auf Ablehnung. 

Rund 3/4 sprechen sich für eine Dynamisierung der Löhne aus

Wünschenswert findet ihr zudem die Einführung von Jahressonderzahlungen, wie bspw. eines Weihnachtsgeldes. Aber auch weitere Arbeitgeberleistungen, wie etwa vermögenswirksame Leistungen oder die finanzielle Anerkennung von Wochenend- und Feiertagsarbeit, werden angeführt. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihnen eine Jahressonderzahlung „sehr wichtig“ oder „wichtig“ ist, während sich etwa ein Viertel der Teilnehmenden noch unentschlossen ist bzw. dies als „weder wichtig noch unwichtig“ ansieht.

Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihnen eine Jahressonderzahlung „sehr wichtig“ oder „wichtig“ ist.

Vertragslaufzeiten – Schluss mit den Zwei- bis Dreimonatsverträgen

Zudem fragten wir, ob ihr euch semesterübergreifende Vertragslaufzeiten wünscht; dies würde – unter Fortbestehen des gesetzlichen Kündigungsrechtes – schließlich eine längere Planbarkeit für euch (und eure Vorgesetzten) bedeuten. Hier zeichnen die Befragten ein ambivalentes Bild:

„Länger als die maximal 2 Monate, die ich bisher am Stück angestellt war – ja! gerne! allerdings dürfen Verträge über mehrere Semester meiner Meinung nach nicht die einzige Option sein, weil das Studium (vor allem im Master) nicht immer über mehrere Semester vorhersehbar bzw. planbar ist“.

Auf der einen Seite sehen einige Umfrageteilnehmenden Flexbilitätsvorteile durch das Abschließen von eher kürzeren, nicht semesterübergreifenden Vertragslaufzeiten; auf der anderen Seite wird bemängelt, dass die derzeitige vertragliche Ausgestaltungspraxis als zu kurz wahrgenommen wird und mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden ist. Die Umfrage zeigt, dass über ein Drittel der Befragten semesterübergreifende Laufzeiten befürwortet; dies wird aber ebenso von über einem Drittel kritisch eingeschätzt.

Über ein Drittel der Befragten befürwortet semesterübergreifende Laufzeiten; dies wird aber ebenso von über einem Drittel kritisch eingeschätzt.

Feste Arbeitszeiten?

„Als SHK nicht zwingend feste Arbeitszeiten zu haben, ist doch grade das gute als SHK. Ich kann mein Studium so planen wie ich möchte und erfülle mein Monatsstunden wie ich es möchte. Diese Freiheit möchte ich nicht missen.“

Rund 70 Prozent der SHKs gaben an, dass ihnen „feste Arbeitszeiten“ „überhaupt nicht wichtig“ bzw. „eher unwichtig“ sind. Dies hat uns ein Stück weit irritiert, und ließ uns bereits im Rahmen unserer öffentlichen Umfrageauswertung den Dialog mit euch suchen, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Feste Arbeitszeiten sollten hier lediglich als wöchentlich planbare, gemeinsame und verlässliche Arrangements zwischen Vorgesetzten und SHKs verstanden werden. Dies schafft mehr Transparenz und Verbindlichkeit, um letztlich der Willkür in der Arbeitszeitgestaltung durch den Arbeitgeber vorzubeugen. 

Rund 70 Prozent der SHKs gaben an, dass ihnen „feste Arbeitszeiten“ „überhaupt nicht wichtig“ bzw. „eher unwichtig“ sind.

Angleichung des Urlaubsanspruches

Deutlichen Zuspruch habt ihr einer Angleichung des Urlaubsanspruches an die regulär Beschäftigten erteilt. Hier klafft im Moment ein Unterschied von einer Woche. Über die Hälfte der SHKs geben in der Umfrage an, dass dies für sie ein wichtiges Anliegen ist; für ca. 20 Prozent ist diese Frage „weder wichtig noch unwichtig“. 

Über die Hälfte der SHKs geben in der Umfrage an, dass sie einer Angleichung des Urlaubsanspruches an die regulär Beschäftigten zustimmen würden.

Weitere Wünsche und Anregungen der SHKs

Neben den genannten Aspekten habt ihr in der Umfrage weitere Problematiken benannt, die euch in euren Arbeitszusammenhängen begegnen und kritisiert werden. Unter anderem wünscht ihr euch:

  • mehr Wertschätzung gegenüber SHKs,
  • Bezahlung von Überstunden & realistischere Arbeitszeitberechnungen (v. a. für Tutor*innen),
  • Differenzierung der Vergütung nach (BA-)Abschluss/Qualifikation,
  • Zugang zu Weiterbildungen, oder 
  • Stellen von Arbeitskleidung

Einzelne Punkte wurden bereits kontrovers bei unseren Veranstaltungen zur Umfrageauswertung diskutiert. Auch in Zukunft stehen wir einem Dialog über die Themen, die euch bewegen, gesprächsbereit gegenüber.

 

Fazit: WIR HABEN MEHR VERDIENT – TARIFVERTRAG JETZT

Alles in allem zeigen die Ergebnisse, dass an den Bremer Hochschulen durchaus Unmut gegenüber bestehenden Arbeitsbedingungen herrscht und die Beschäftigungssituation der SHKs eindeutig „Luft nach oben“ lässt; dies verdeutlichen insb. die lohnbezogenen Ergebnisse der Umfrage. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das (Mitbestimmungs-) Instrument des Tarifvertrages eure vielfältigen Forderungen bündeln soll.

Dem Gestaltungsspielraum von (Landes-)Mindestlöhnen ist hingegen deutliche Grenzen gesetzt; dies betrifft lohnpolitische Aspekte (wie Jahressonderzahlungen), aber ebenso anderweitige Themen, die die Beschäftigten besser stellen sollen als gesetzlich normierte Mindeststandards (z. B. Urlaubsanspruch). Die Ergebnisse bekräftigen aus unserer Sicht einen gemeinsamen Handlungsauftrag zur weiteren Konkretisierung eurer und unserer Wünsche – letztlich mit dem Ziel, einen studentischen Tarifvertrag durchzusetzen.

Wir freuen uns sehr über die rege Teilnahme an der Umfrage, und bedanken uns auch auf diesem Weg für euer Mitwirken! Wir sind hochmotiviert und freuen uns, zusammen mit Euch für bessere Arbeitsbedingungen an den Bremer Hochschulen zu kämpfen!

 

Damit unsere gemeinsamen Forderungen auch umgesetzt werden können, müssen möglichst viele SHKs einer Gewerkschaft beitreten.  Was das heißt und weshalb dies wichtig ist erfahrt ihr hier.

Bis Bald!
Euer TV STUD Team

 

 

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